albmagazin August/September 2018 - page 5

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n Betrieben mit primär Bargeldverkehr wer-
den häufig nicht nur bare Geschäftsvorfälle
im Kassenbuch festgehalten, sondern es wird
der Gesamtbetrag inklusive der bargeldlosen
Geschäftsvorfälle am Ende des Tages in das
Kassenbuch eingetragen. Im selben Moment
werden die EC-Kartenumsätze als „Ausgabe“
wieder ausgetragen. Diese Vorgehensweise
hat sich in der Praxis als praktikabel gezeigt,
weil die korrekte Erfassung der Umsatzsteu-
er sichergestellt, ein hoher Informationsge-
halt gegeben und die Kassensturzfähigkeit
vorhanden ist.
Die Erfassung von EC-Kartenumsätzen im
Kassenbuch stellt einen formellen Mangel dar,
da im Kassenbuch nur Barbewegungen zu er-
fassen sind. Der Sinn und Zweck des Kas-
senbuchs ist die Dokumentation des aktuel-
len Barbestandes der Kasse. Hierfür soll es
so versehen sein, dass der Sollbestand je-
derzeit mit dem Istbestand verglichen wer-
den kann, damit kontinuierlich ein Kassen-
sturz durchgeführt werden kann.
Eine fehlende Kassensturzfähigkeit wäre nach
ständiger Rechtsprechung ein Grund, die Kas-
se zu verwerfen und eine Hinzuschätzung
nach der Abgabenordnung vorzunehmen.
Nach Auffassung der Finanzverwaltung wi-
derspricht die Erfassung von unbaren Ge-
schäftsvorfällen im Kassenbuch dem Grund-
satz der Wahrheit und Klarheit einer
kaufmännischen Buchführung. Sie fordert,
dass EC-Kartenumsätze überhaupt nicht im
Kassenbuch erfasst werden, sondern in ei-
nemNebenbuch oder in einer Zusatzspalte. Des
Weiteren sollen bare und unbare Geschäfts-
vorfälle getrennt voneinander verbucht wer-
den. Die Finanzverwaltung bezieht sich auf
die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Füh-
rung und Aufbewahrung von Büchern, Auf-
zeichnungen und Unterlagen in elektronischer
Form sowie zum Datenzugriff (GoBD). Die
steuerrechtliche Würdigung stellt allerdings
eine Entscheidung des Einzelfalls dar.
Werden die ursprünglich im Kassenbuch er-
fassten EC-Kartenumsätze in einemweiteren
Schritt gesondert kenntlich gemacht oder so-
gar wieder aus dem Kassenbuch auf ein ge-
sondertes Konto umgetragen, so stellen die
zunächst fälschlich in das Kassenbuch aufge-
nommenen EC-Kartenumsätze weiterhin ei-
nen formellen Mangel dar. Sofern die Nach-
prüfbarkeit des tatsächlichen Kassenbestandes
durch Dokumentation der Zahlungswege vor-
liegt, kann der formelle Mangel außer Betracht
bleiben. So die aktuelle Meinung des Bundes-
ministeriums für Finanzen vom 29. Juni 2018.
Für nähere Informationen oder einen per-
sönlichen Termin steht Ihnen die SHP-Bera-
tergruppe jederzeit gerne zur Verfügung. Nut-
zen Sie unser Know-how und schreiben Sie
uns eine E-Mail oder rufen Sie uns einfach an.
Hinweis: Diese Publikation ist als allgemeine unverbindliche Infor-
mation gedacht und kann daher nicht eine ausführliche und detail-
lierte Beratung ersetzen.
Es ist nicht neu, dass bargeldintensive Betriebe besonders
im Fokus der Betriebsprüfung stehen. Besondere Vorsicht
ist bei EC-Kartenumsätzen geboten.
Oliver Unger
, Steuerberater & Rechtsanwalt von Scharf•Hafner & Partner mbB
Für weitere Informationen schreiben Sie uns eine E-Mail an
oder rufen Sie uns einfach unter 07433 954-0 an.
Bild: Foto Schlotterer
Recht und Steuern
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EC-Kartenumsätze in der
Kassenführung
Ist die Kassensturzfähigkeit gegeben?
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