albmagazin Dezember/Januar 2018/19 - page 3

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igentlich sollte in diesemEditorial ja ein politischesThema diskutiert
werden.Wir haben uns aber nach reiflicher Überlegung dazu ent-
schlossen, das bleiben zu lassen, weil wir möglicherweise unter
Beobachtung der Stasi AfD stehen. Sicher kannman sich da ja nie sein.
Lehrerinnen und Lehrer sind von dieser Tatsache ja schon sehr einge-
schüchtert worden, weil deren eventuell AfD-kritische Äußerungen von
nun an auf einem Internet-Portal öffentlich denunziert werden sollen.
Wie uns zu Ohren gekommen ist, wurde in einigen Geschichts-
unterrichtsstunden zwischen Balingen und Sigmaringen bereits von
verängstigten Lehrkräften vor ihren Schulklassen geleugnet, dass es
überhaupt einen Zweiten Weltkrieg gegeben hätte (“Nein, Kinder,
wirklich nicht, da müsste man ja verrückt sein, wenn man nach dem
schrecklichen Ersten Weltkrieg noch einen zweiten beginnen würde.
Das ist nur ein Märchen”. / “Wie meinst Du, Adrian? Rechte Schläger-
trupps...??? Nie gehört davon!”). Denn vielleicht werden Lehrerinnen
und Lehrer ja schon bald entlassen, wenn sie sich negativ über
rechtsradikale Schläger und Mörder äußern? Die AfD erwägt angeblich
jedenfalls, eine gerichtliche Klage einzureichen, sollten jene gegen ihr
staatliches Neutralitätsgebot verstoßen.
Und da auch Journalisten nicht entlassen werdenmöchten, schreiben
wir an dieser Stelle dann doch lieber ein Plädoyer für eine Zielgruppe
mitten unter uns, über die seit einiger Zeit gelacht und geschimpft
wird, wie kaum über eine andere Minderheit: die “Helikoptereltern”.
Darunter versteht man ja bekanntlich jene überfürsorglichen Eltern,
die sich (wie ein Beobachtungs-Hubschrauber) ständig in der Nähe
ihrer Kinder aufhalten, um diese zu überwachen und zu behüten.
Wie viel Häme wurde schon über sie ausgegossen? Wenn man bei
“buchhandel.de” das Wort Heilkoptereltern eingibt, erscheinen
immerhin 84 Titel dazu. Titel wie “Verschieben Sie die Deutscharbeit –
mein Sohn hat Geburtstag!”,“Ich muss mit auf Klassenfahrt – meine
Tochter kann sonst nicht schlafen!” oder “Fünf Freunde werden He-
likoptereltern” umreißen das Problem recht klar.
Dass die übersteigerte Fürsorge nicht immer förderlich für die Entwicklung
der Kinder zu selbstständigen Persönlichkeiten ist, weiß man ja.
Dennoch sollten die Helikoptereltern vielleicht einfach nur ihr Image
aufpolieren: Wie wäre es zum Beispiel zunächst einmal mit der
Bezeichnung “Libellen-Eltern”? Klingt sympathischer, da mit weniger
CO2-Ausstoß verbunden. Und wenn eine gesellschaftliche Gruppe ein
Image-Problem hat, empfiehlt sich allemal eine Miss-Wahl: Wenn es
in BadWaldsee kürzlich schon eine “Miss-Braunvieh-Wahl” gab, wieso
nicht auch öffentlich eine “Miss-Helikoptermama” küren? Damit
gewönne man gewiss die Sympathien der breiten Mehrheit. Vielleicht
bekämen junge Libellen-Eltern dann schon zur Geburt ihres Sprösslings
ein Baby-Watch-Überwachungssystem geschenkt. Dieses könnte
dann problemlos von der AfD Parteien gehackt werden, umzu überprüfen,
ob sich Mama und Papa bei der Erziehung auch immer schön an das
elterliche Neutralitätsgebot halten...
Ihnen, werte Leserinnen und Leser, eine schöne Weihnachtszeit,
einen guten Start ins neue Jahr und gute Unterhaltung mit unserer
druckfrischen Doppelausgabe!
Ihr Roger Orlik
Liebe Leserin, lieber Leser!
Editorial
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