albmagazin Februar 2019 - page 3

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s gibt Ereignisse, die so ungewöhnlich sind, dass wir sie zunächst
für einen unzeitgemäßenAprilscherz oder für eine andersartigeZei-
tungsente halten. Manchmal beschreiben sie aber auch nichts als die
blanke Realität. So schockierte beispielsweise umWeihnachten herum
viele die Nachricht von einerWeihnachtsfeier einer hannoverschen Po-
lizeidirektion, die offenbar etwas aus demRuder gelaufen ist. Denn auf
der Feier wurde eineGeldkassette entwendet. Der oder dieTätermüssen
logischerweise in den Reihen der anwesenden Beamten zu finden sein.
Doch damit nicht genug: Eine Mitarbeiterin erlitt auf der Fete zudem
noch eine Platzwunde am Kopf durch einen Flaschenwurf, am
parkenden Auto des Party-DJs wurde der Außenspiegel beschädigt
und ein bestens gelaunter Polizist soll gegen die Feuerhütte der
Direktion gepinkelt haben. Kurzum, da die Feierlichkeit anscheinend
eine rauschende war, sollen sich einige junge Polizisten sicherheitshalber
zumAbschluss noch eine Kochsalzlösung intravenös als Katermittel
gespritzt haben. Denn sicher ist sicher!
Nun könnte man das Verhalten der dort teilnehmenden Polizisten
natürlich als außergewöhnliche und einmalige Entgleisung auffassen.
Vielleicht ist aber auch die jahrzehntelange Verhöhnung der Beamten
in der Gesellschaft der Auslöser für das denkwürdige Fehlverhalten.
Witze wie “Warum haben Beamte eine Brille?” – “Damit sie sich
beim Einschlafen nicht mit dem Bleistift ins Auge stechen” kommen
da ja noch erschwerend dazu. Und wenn das erst der Anfang war?
Wenn sie uns die jahrelange Häme nun spüren lassen?
Man stelle sich einmal vor: Das Sicherheitspersonal an Flughäfen
filzte in Zukunft nur noch die attraktivsten Damen, diese jedoch um
so gründlicher, während die bärtigen Kofferträger gelangweilt durch-
gewunken werden. Die Schriftführer in den Standesämtern trügen
spaßhalber einen lustigen Phantasienamen wie “Jean-Jacques
Scheufele” oder “Pierre-Baptiste Bäuerle” in die Geburtsurkunde
des Sprösslings ein oder in die Heiratsurkunde gleich eine ganz
andere Ehefrau – wie etwa “Ulla Hoeneß” oder “Carla Rummenigge”;
Polizisten schössen gaudihalber mit Konfettipistolen auf Falschparker
und Lehrer würfelten, um sich die langwierigen Korrekturen zu
sparen, einfach in einer launigen Paukerrunde die Noten ihrer ABC-
Schützen oder nähmen gerne auch, um demWürfelglück ein wenig
nachzuhelfen, ein großes Scheinchen seitens der besorgten
Elternschaft entgegen.
Kaum auszudenken, eine solche Beamtenwillkür! Was in manchen
(Bananen-)Republiken vielleicht durchaus gang und gäbe sein mag,
ist man hierzulande von den Staatsdienern offenbar gar nicht gewohnt.
Und das ist natürlich ein gutes Zeichen, deutet es doch auf eine üb-
licherweise verlässliche und seriöse Arbeit der Staatsdiener hin. Ach,
übrigens:Wenn es nach demSprecher der hannoverschen Polizeidirektion
geht, wird die kommendeWeihnachtsfeier leider “nicht mehr in diesem
Rahmen” stattfinden können...
Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auch im 25. Jahrgang unseres
Erscheinens, gute Unterhaltung mit der druckfrischen albmaga-
zin-Ausgabe Februar 2019 und ein gutes, gesundes neues Jahr!
Ihr Roger Orlik
Liebe Leserin, lieber Leser!
Editorial
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